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HIFI neu definiert

Nie waren das Angebot und die Versprechungen des Marktes für (hochwertige) Unterhaltungselektronik größer als heute. Es scheint so, dass wir am Beginn eines neuen Audio-Zeitalters stehen. Durch die Vielfalt der Tonträgerformate und Systeme ist die Hifi-Welt aber auch unübersichtlich geworden. Und doch: Nie wurde mehr Musik gehört als heute. Unterschiedlichste Audiosysteme wetteifern um die Gunst des Publikums. Hochauflösende Downloads treten zunehmend an die Stelle physischer Tonträger wie CD und Schallplatte. Musik im digitalen Format wird Eins zu Eins auf Festplatte gespeichert und mit Hilfe von Computer und DAC (Digital-Analog-Wandler) oder eines Netzwerkspielers an die heimischen Endgeräte geliefert. Musikserver, die noch komfortablere Variante, machen PC oder Mac überflüssig. Hi-Res [high resolution] Quellen aus dem Netz heben die Wiedergabequalität digital gespeicherter Musik auf ein (scheinbar) neues Niveau und versprechen die behaupteten Schwächen der CD vergessen zu lassen.

Streaming-Dienste wie Spotify, Tidal, Apple-Music und andere unterstützen den mobilen Musikgenuss, sind aber auch zu Hause praktisch, ermöglichen sie doch die Bereitstellung individualisierter Programminhalte.

Mit digitaler Verbreitungstechnik kann beste Studioqualität direkt ins Wohnzimmer, ins Auto und auf mobile Endgeräte geliefert werden.

Multiroomlösungen schließlich gestatten es, das Musiksignal dank intelligenter Hausvernetzung wireless oder kabelgebunden in jedem Raum zur Verfügung zu stellen. Die Zukunft gehört, glaubt man der Industrie, der totalen Vernetzung. Jeder Fortschritt hat jedoch seine Kehrseite. So scheint es um die Wertschätzung von Musik nicht gut bestellt. Seit Musik immer und überall nahezu kostenlos verfügbar ist, beliebig kopiert werden kann, Musikportale mit Schnäppchenpreisen locken und Festplattenkapazität für den Aufbau eines privaten Musikarchivs quasi unbegrenzt zur Verfügung steht, messen die Menschen der Musik nicht mehr den Wert bei wie früher. Derart entwertet, degeneriert Musik zu einem gewöhnlichen Konsumgut (Immer auf der Suche nach den Perlen in musikalischer, interpretatorischer und klanglicher Hinsicht scheinen Hifi-Enthusiasten hier die Ausnahme zu sein).

Und doch ist das Bild nicht vollständig. Die Beliebigkeit und mühelose Verfügbarkeit digital konservierter Musik lassen viele das haptische und musikalische Erlebnis vermissen. Die seit Jahren zu beobachtende Renaissance „alter“ Technik in Form von Schallplatte („Vinyl“) und Röhrenverstärkern hat hier offenbar ihren Ursprung. Hi-Res ersetzt eben nicht den Charme orange glimmender Röhren, die Haptik der Schallplatte, - eben die mit analoger Technik verbundene warme und körperliche Anmutung des Klangbildes. So überrascht es nicht, dass der angekündigte Tod von Schallplatte und CD auf sich warten lässt. Nichts spricht dafür, dass dieser auf kurze oder lange Sicht bevorsteht. Im Gegenteil: Noch immer entfällt auf physische Tonträger der weit überwiegende Teil aller Musikverkäufe. Dabei verzeichnet der Verkauf von Schallplatten, wenn auch von niedrigem Niveau ausgehend, seit Jahren beachtliche Zuwachsraten. Keine Frage: Hifi und High-End sind auf dem besten Weg, ihren früheren Status zurückzugewinnen. Die turnusmäßig im Mai in München stattfindende HIGH END verzeichnet einen Besucherrekord nach dem anderen und avancierte längst zur Weltleitmesse der hochwertigen Unterhaltungselektronik. Das Szenario ist also vielschichtig. Der Wettstreit der Audioformate ist keineswegs entschieden. Ein gleichberechtigtes Nebeneinander von analoger Technik, CD und netzwerkfähigen Audiosystemen ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich.

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