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Die Wiedergabe muss so gut sein, dass sie besonders in der Klangfarbe der Originaldarbietung entspricht. Deshalb reden wir von Wiedergabetreue.

Walter Hummel (1935, Audiopionier)

Es war einmal ein Waschmittel, das wusch weißer als weiß. Irgendwann jedoch hatte sich die Weiß-Welle überlebt: noch weißer ging es nicht. Es scheint so, dass der Hifi-Welt dieser Bewußtseinsstand fremd ist. Im Monatsrhythmus werden von Herstellern und Audiopresse neue „Referenzen“ kreiert. Soll man lachen oder weinen, wenn eine Audiobesprechung wieder einmal mit dem Spruch „The best component I have ever heard“ daherkommt?

Hier wird ein Ideal fetischisiert, von dem jeder wissen müsste, dass es nicht erreichbar ist. Reproduzierte Musik kann nun einmal nicht exakt wie die Originaldarbietung klingen. Das Tonsignal passiert entlang der elektroakustischen Übertragungskette - vom Aufnahmemikrofon über die beiden Stereokanäle bis zu den Lautsprechern im privaten Hörraum - eine Vielzahl unterschiedlicher Stationen: Aufnahme, Abmischung, Mastering, Pressung des Tonträgers, Dekodierung, Verstärkung und schließlich die Umwandlung der elektrischen in akustische Signale. An jeder Station wird der Signalverlauf ein Quäntchen verändert/degradiert. Anders gesagt: keine Audiokomponente kann den Klang verbessern. Aber: eine qualitativ hochwertige Komponente verfälscht den Klang im Vergleich zu einer schlechteren Komponente weniger. Je hochwertiger das System, desto besser der Klang. Die Geräteauswahl ist also keineswegs trivial.

Die heute erreichte Wiedergabequalität hat ein vor 20 oder 30 Jahren unvorstellbar hohes Niveau erreicht. Nie erklang reproduzierte Musik realistischer, „näher am Original“ als heute. Auch wenn die Grenzen des technisch Möglichen gewiss nicht erreicht sind, qualitative Quantensprünge sind dem Stand der Technik entsprechend von heute auf morgen nicht zu erwarten.

Rhetorische Zurückhaltung stünde der Industrie und Audiopresse deshalb nicht schlecht.

Stattdessen übertrifft sich der Audiojournalismus durch auffallend unkritische, elogene Besprechungen. Nicht wirklich überraschend, - sind doch die meisten Publikationen in hohem Maße von den Einnahmen aus der Anzeigenwerbung abhängig. Kommt es doch einmal zu einer negativen Beurteilung, betrifft diese fast immer ein eher nebensächliches Problem. Einige Audiohefte fundieren ihre Tests mit Werten aus dem Messlabor, anderen reicht bei der Beurteilung einer Audiokomponente der subjektive Eindruck des Autors. Die dabei suggerierte Bewertungsgenauigkeit entpuppt sich als Täuschung. In Wirklichkeit basiert die Beurteilung auf subjektiven Sinnesempfindungen von Klangeindrücken. Persönlicher Geschmack - oder das Anzeigenaufkommen - geben den Ausschlag. Interpersonelle Verifizierung ist nicht oder nur eingeschränkt möglich. Durch Punkte- oder Prozenteskalen „abgesicherte“ Kaufempfehlungen sind deshalb mit großer Vorsicht zu genießen. Ranking und Preis korrelieren auffällig stark.

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